Dresden - Deutschland - Du?

Am 6.12.2018 habe ich an der Universität Trier die folgende Rede gehalten. Sie galt den Studierenden. Ich poste sie hier mit meiner Bearbeitung der Dresdener Frauenkirche, weil nichts besser zusammen gehören könnte als der Wunsch nach Frieden und Freiheit und Dresden, Sachsen, Deutschland.

 

...

 

Ich möchte heute eine Rede zitieren.

 

"Frieden ist Freiheit,

Freiheit des einzelnen von Furcht und Zwang,

Freiheit der Völker und der ganzen Menschheit von Ausbeutung, von Sklaverei, von Gewalt und Tod.

Frieden und Freiheit, das sind die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz. 

Frieden in unserem Innern, Frieden in der Familie,

Frieden mit dem Nächsten ist die Grundlage des Glücks für jeden Menschen. 

Frieden und Freiheit sind die Fundamente wahren Fortschritts,

ohne Frieden und Freiheit gibt es keinen Aufstieg der Völker, kein Glück, keine Ruhe für die Menschheit. 

Frieden für den einzelnen Menschen ist nicht möglich, ohne daß Frieden auch der Gemeinschaft zuteil wird, in die der einzelne eingebettet ist, deren Glied er ist, deren Geschick untrennbar und unzerreißbar mit seinem Geschick und seinem Leben verbunden ist. [...]"

 

Weiter heißt es in der Rede:

 

"In unseren Tagen ist Frieden und Freiheit bedroht, zutiefst gefährdet.

Es ist so bedroht, wie in jenen barbarischen Zeiten, die wir längst überwunden glaubten, da nur die Macht galt. [...]"

 

Was hat das mit Weihnachten zu tun?

 

Diese Rede hat Konrad Adenauer im Jahr 1952 als Weihnachtsansprache gehalten – 

7 Jahre nach den Nazis und den KZs.

Die Grabengemetzel von Verdun sind zum Zeitpunkt der Rede gerade 36 Jahre vergangen.

 

Konrad Adenauers Rede zur Weihnacht 1952 ist heute unangenehm aktuell – 

und das obwohl er noch nichts von der Ukraine-Krise wusste,

die den Frieden direkt vor unserer Haustür bedroht,

er wusste nichs von einem "Fast"-Ausnahmezustand in Frankreich,

der dort die Freiheit bedroht,

er wusste noch nicht von Donald Trump

oder von einer Partei, die im deutschen Bundestag und allen unseren Landesparlamenten deutsch-völkisch rumgrunzt.

 

Sie sitzen jetzt hier und fragen sich: „Was hat das mit mir zu tun?“

Sie haben in diesem Jahr ihr Studium begonnen.

Ihr Fach, Mathematik, hat vordergründig nichts mit Krieg und Frieden zu tun.

Die Frage ist also durchaus berechtigt!

 

Dass ich jetzt vor Ihnen stehe, um eine politische Rede zu halten,

ist in dieser Zeit extrem ungewöhnlich. 

Dabei waren die Universitäten in Deutschland früher einer der wichtigsten Orte des gesellschaftlichen und politischen Austauschs, des Diskurs und des Streits.

 

Ich wünsche Ihnen allen eine wundervolle Weihnachtszeit.

Und ich wünsche mir auch etwas von Ihnen:

 

Ich wünsche mir von Ihnen, dass sie den gesellschaftlichen Diskurs wiederbeleben. Und den Streit. Streiten ist nichts Negatives.

Oben klang schon meine politische Meinung durch. Aber um diese geht es hier vorranging gar nicht. Sie müssen nicht politisch einer Meinung mit mir oder anderen sein.

Ich wünsche mir nur, dass sie diskutieren, debattieren, streiten. 

Wenn sie das tun, hört auch wieder das Grunzen in unseren Parlamenten auf.

 

Die Universität ist nicht nur der Ort,

an dem über Vektorraum-Homomorphismen gesprochen wird. 

Die Universität ist auch der Ort,

an dem Gesellschaft von morgen definiert wird.

 

Machen Sie mit!

Frauenkirche - Dresden :: Copyright Martin Schmidt, Fotograf für Schwarz-Weiß Fine-Art Architektur- und Landschaftsfotografie aus Trier
Frauenkirche - Dresden :: Copyright Martin Schmidt, Fotograf für Schwarz-Weiß Fine-Art Architektur- und Landschaftsfotografie aus Trier

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