Sa

17

Sep

2016

Beliebigkeit vs. Vielfalt

Es bleibt thematisch beim letzten Blogpost. Tatsächlich kreist bei mir in letzter Zeit immer mehr der Gedanke "Womit willst du deine Zeit verbringen?" im Kopf. Erstmal gar nicht fotografisch, sondern vollkommen allgemein. Welche sind die Freundschaften, die nicht nur nehmen, sondern auch geben - und bei welchen ist dieses Verhältnis im Gleichgewicht. In einem ganz anderen Feld: Was will ich beruflich machen? Was sollen die Themen sein, mit denen ich mich beschäftigen will - für die mein Name stehen soll? Zuletzt aber auch: Was sollen die Tätigkeiten sein, für die ich die Zeit nutze in der ich nicht arbeite und nicht mit anderen Menschen zusammen bin? Also die Tätigkeiten, die man gemeinhin als Hobby oder als Zeitvertreib beschreibt. Wobei mindestens der letzte Begriff fürchterlich ist. Wer will denn die Zeit vertreiben, wenn er einer geliebten Tätigkeit nachgeht?

 

Es ist kein Riesengeheimnis, dass die Fotografie bei mir in Kategorie 3 einen gewissen Stellenwert genießt. Auch darüber, warum das so ist, kann man sich wertvolle Gedanken machen, die zuletzt auch entscheiden, ob ein "Hobby" in Kategorie 3 aufgenommen wird oder nicht. Bei mir hat Beschäftigung mit Fotografie einen Hauptgrund: Die Verbindung einer kreativen Tätigkeit mit der technischen Realisierung eben dieser. Interessanterweise trifft beim "Bloggen" an sich die gleiche Begründung zu. Schreiben, Musik machen, malen, ... Alles klassische Kreativtätigkeit. Der Grund, weshalb ich bei der Fotografie hängen geblieben bin ist die Technik, die ich lernen kann zu beherrschen, um den Wunsch meines kreativen Geistes zu realisieren. Bloggen um zu schreiben und eine Webseite zu basteln als technische Realisierung ist auf einem gewissen Metalevel vergleichbar. Beim Schreiben kommt bei mir noch die strukturierte Kanalisierung von Gedanken hinzu (was mir ohne die Verschriftlichung häufig sehr schwer fällt). Eine vergleichbare Ebene habe ich beim Fotografieren bei mir noch nicht gefunden. (Vorschläge?)

 

Für alle die wissen, was ein Fraktal ist: Hier kommt eins. Die grundlegende Frage des "Was mache ich mit meiner Zeit?" stellt sich in analoger Weise für mich (aber wohl für jeden anderen auch) bei der Fotografie. Was fotografiere ich? Welche Techniken will ich nutzen? Will ich der Hunde-Foto-Typ oder der 7-Minuten-Glas-und-Stahl-Foto-Nerd sein? Auf allgemeiner Ebene finde ich die Entscheidung des Was und Warum enorm wichtig (und immer wichtiger). Auf dem Foto-Level geht die Tendenz in die genau andere Richtung. Wo ich früher ein relativ klar umrissenes Thema hatte wird es jetzt (in zweifacher Bedeutung des Wortes) immer bunter. Ist das gut oder schlecht? Bin ich vielfältig oder beliebig? Ist der Gedanke lohnend oder egal? Fragen sich andere Fotografen ähnliches Zeug? Wird sich vielleicht alles noch klären - vielleicht aber auch nicht. Für den Moment genieße ich einfach die Beliebigkeit/Vielfalt.

 

Aber mal konkret: Heute gibt es inhaltlich zerrissenheitsgeprägte fünf (während des Schreibens ist es sogar noch eins mehr geworden) Fotos aus einem Zeitraum von 16 Tagen. Ein Golden-Hour-Cityscape aus Freiburg, eine 3-Minuten-Belichtung eines Alpensees, ein Sau-Cool/Süß-Foto von Holle, ein Street-artiges verwackeltes Irgendwas aus Prag und ein abstraktes Nachtfoto von ... na; wer errät/sieht/weiß es? Ich mag sie alle und habe keine Lust mich zu entscheiden. Wenn ihr schmaidt.de also bald nicht mehr findet aber die gleichen Bilder bei all-and-nothing-photography.com auftauchen - ihr wusstet es vorher.

 

PS: Da war er mal wieder - der klassische Seelenstriptease. Macht nichts. Mir hilft's. Die Kanalisierung habe ich ja oben schon erwähnt. Wer aber gerne ein Selbsthilfe-Gruppen-Hallo-Martin in die Runde werfen möchte, damit ich nicht rot werden muss - unten ist das Kommentarfeld ;-)

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