So

30

Aug

2015

Indochina Memos 2015 - Killing Fields

Die Killing Fields nahe Phnom Penh sind das mit Abstand traurigste und grausamste Stück Geschichte, mit dem ich auf der Reise in Kontakt gekommen bin. In der Zeit von 1975 bis 1978 wurde Kambodscha von den Roten Khmer unter der Führung des Psychopathen Pol Pot "regiert". Auch hier fällt es mir wieder schwer, die richtigen Worte zu finden für das, was in dieser Zeit passierte. Wie soll man zum Beispiel die Willkür fassen können, dass alle, die eine Brille trugen, als Intellektuelle galten und hingerichtet wurden? Wie soll man verstehen, warum nicht nur die Brillenträger selbst, sondern auch ihre gesamten Familien ausgelöscht wurden? Die Antworten der Roten Khmer kann ich euch geben: Intellektuelle passen nicht in das Bild eines archaischen Agrarstaats - und wenn man nicht die gesamte Familie dahinmetzelt, dann will sich später vielleicht irgendwer rächen!


Laut Wikipedia wurden unter der Herrschaftszeit Pol Pots 1,7 bis 2,2 Millionen Menschen getötet - in anderen Quellen findet man aber noch weitaus größere Zahlen. Damit stellt diese Zeit, in relativen Zahlen, den schlimmsten Autogenozid der Menschheitsgeschichte dar. Zahlen alleine können einem aber nicht ansatzweise verdeutlichen, wie grausam die "Soldaten" des demokratischen Kampuchea waren. Ein Eindruck kann aber gewonnen werden, wenn man liest, wie Kinder getötet wurden: Eine der obersten Maxime der Roten Khmer war die Sparsamkeit - bei Munition. Daher wurden die Kinder nicht einfach erschossen. Sie wurden an den Beinen gepackt und an einem Baum totgeschlagen. Der Baum mit den vielen Armbändern unten auf den Fotos ist der besagte "Killing Tree". Oder zwei Soldaten taten sich zusammen, so dass der eine das Kind in die Luft werfen kann, so dass der andere es dann mit dem Bajonett aus der Luft heraus aufspießt.


Wir Europäer haben einiges an Grausamkeit in unserer Geschichte erlebt und vor allem der Besuch der deutschen Konzentrationslager ist eine Erfahrung, die viele von uns schon gemacht haben. Trotzdem haben viele Besucher der Killing Fields Tränen in den Augen aufgrund der Grausamkeit, über die hier berichtet wird - und sie haben Angst, auf die Knochen zu treten, die nach starken Regenfällen immer noch aus den Massengräbern ans Tageslicht gespült werden.

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