Fotografie zur blauen Stunde: Eine Schritt-für-Schritt Anleitung

Diese Woche war ich am Mittellandkanal in Stöcken bei Hannover zur blauen Stunde fotografieren. Das Kraftwerk Stöcken hatte ich schon lange auf meiner Motiv-Liste für meine Fotos von Hannover zur blauen Stunde. Die Rückmeldungen bei facebook, flickr und 500px waren sehr positiv, worüber ich mich sehr gefreut habe. Wie schon des Öfteren wurde ich auch nach diesem Foto gefragt, wie ich meine Fotos zur blauen Stunde bearbeite. Bisher habe ich ein solches Tutorial immer aufgeschoben, aber jetzt möchte ich in meinem Blog auf schmaidt.de ein Schritt-für-Schritt Tutorial von der Vorbereitung, über die Aufnahme bis hin zur digitalen Nachbearbeitung geben. Zunächst aber das Ergebnis aus Stöcken, damit ihr selbst einschätzen könnt, ob es sich lohnt, die Schritt-für-Schritt-Anleitung weiter zu lesen ;-)

Kraftwerk Stöcken (Copyright Martin Schmidt)
Kraftwerk Stöcken (Copyright Martin Schmidt)

Da der Text beim Schreiben dieses Tutorials immer länger und länger wurde, werde ich das Tutorial nach und nach in meinem Blog veröffentlichen. Die einzelnen Teile werden die folgenden sein:

 

1. Die Vorbereitung

2. Das Zubehör

3. Vor Ort: Die Aufnahme

4. Die Nachbearbeitung

5. Zusammenfassung: Blaue-Stunden-Fotografie in Stichpunkten

6. Meine Lieblings-Blaue-Stunden-Fotografen

 

Bevor es dann jetzt mit dem ersten Teil (Die Vorbereitung) los geht, möchte ich noch kurz etwas Allgemeines loswerden: Ich möchte hier keineswegs den Gedanken auf einen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit aufkommen lassen. Diese Tutorial-Serie beschreibt im Wesentlichen die Erfahrungen, die ich in den letzten zwei Jahren bei meinem Fotografieren zur blauen Stunde gewonnen habe. Manche Dinge lassen sich mit Sicherheit auch anders - vielleicht sogar besser - lösen. Wenn ihr meint, einen solchen Punkt gefunden zu haben, würde ich mich freuen, wenn ihr einfach den entsprechenden Blog kommentiert und wir so darüber diskutieren können. Schließlich will ich ja auch noch besser werden!

Teil 1: Die Vorbereitung

Egal wie gut man die gängigste Bildbearbeitungssoftware wie Adobe Lightroom, Photoshop (Elements) oder die NIK Filter Collection beherrscht - wenn das Ausgangsmaterial nicht gut ist, kann auch die beste Nachbearbeitung nicht mehr helfen. Deshalb beginnt das Fotografieren für mich aber nicht einmal bei der Aufnahme selbst, sondern noch davor - bei der Planung der Aufnahme. In der Regel habe ich eine Liste von Motiven in Hannover (oder auch von anderen Städten), die ich noch fotografieren möchte oder die ich bereits fotografiert habe, aber bei denen ich nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis bin. Ähnlich ist es auch, wenn ich außerhalb meiner Heimatstadt bin. Mittels flickr oder 500px halte ich nach guten Motiven Ausschau. Das heißt nicht, dass ich versuche, schon geschossene Fotos zu kopieren. Aber wenn ich noch nie in einer Stadt war und ich mich dort für nur ein Wochenende oder eine Woche aufhalte, dann ist es einfach von Vorteil, über gute Foto-Möglichkeiten vorher Bescheid zu wissen. Wenn ich vor Ort bin, will ich auch fotografieren und nicht nach einer Woche ohne Fotos nach Hause kommen, da ich erst am letzten Tag die fotografisch interessanten Ecken oder Gebäude gefunden habe.

 

Zum Organisieren solcher Motivlisten eignen sich sehr einfache Notizlisten-Dienste wie evernote oder workflowy, wobei ich workflowy bevorzuge, da es in meinen Augen einfacher ist und vor allem eine sehr gute (und schicke) Mobilversion hat. Außerdem nutze ich ich meine Pinnwände bei Pinterest dazu, um mir gewisse Locations zu merken.

 

Was die Motivwahl selbst anbelangt, so gibt es natürlich keinerlei Einschränkungen bei der Fotografie zur blauen Stunde. Aber es gibt trotzdem Motive, die sich gut für die Fotografie zu dieser Tageszeit eignen. Meine Favoriten sind illuminierte Architektur (wie zum Beispiel das Foto vom Petersplatz in Rom) und Reflektionen des Hauptmotivs in Wasser (wie beim Kraftwerk-Foto).

Petersplatz in Rom (Copyright Martin Schmidt)
Petersplatz in Rom (Copyright Martin Schmidt)

Wenn ich mich dann für ein Motiv entschieden habe und ich weiß, dass ich ein Foto zur blauen Stunde machen möchte, finde ich heraus, wann ich vor Ort welche Lichtverhältnisse habe. Hierzu gibt es verschiedene Hilfsmittel. Ziel ist dabei für mich immer, die folgenden Dinge herauszufinden:

 

1. Wann ist die blaue Stunde?

2. Wann geht die Sonne unter (oder auf, wenn ich morgens unterwegs bin)?

3. Wo geht die Sonne unter?

 

Das in meinen Augen unschlagbar beste Tool hierzu ist The Photographer's Ephemeris. Diese kostenlos erhältliche Software gibt nicht nur Antworten auf alle oben genannten Fragen, sondern bietet noch viel mehr. Am Besten, ihr guckt euch einfach die Webseite an oder ladet euch die Software direkt herunter und testet sie. Wer nicht gleich eine neue Software für diesen Zweck haben möchte, der findet bei Google unter den Suchbegriffen "blaue Stunde Rechner" oder "blaue Stunde Tabelle" ausreichend Möglichkeiten, die Zeit der blauen Stunde herauszufinden. Mein persönlicher Favorit bei den blauen Stunden Tabellen ist diese einfache, aber sehr nützliche Tabellen-Sammlung.

 

Aber nicht nur der Zeitpunkt ist wichtig, sondern auch wo die Sonne untergeht. Unten seht ihr zwei Bilder von mir aus Rom (ein Klick auf eines der beiden öffnet die Gesamtansicht). Links seht ihr das Monumento a Vittorio Emanuele II und rechts die römischen Kaiserforen mit der Trajanssäule. Beide Bilder sind an demselben Abend relativ mit einem Abstand von 15 Minuten aufgenommen worden. Auf dem linken Bild ist der Sonnenuntergang hinter mir. Dies führt dazu, dass der Himmel in der Richtung, in der ich das Foto aufgenommen habe, sehr gleichmäßig ist. Rechts fotografierte ich in Richtung des Sonnenuntergangs was zu dem sehr schönen Blauverlauf im Himmel führt.


Damit sind wir am Ende des ersten Teils des Blaue-Stunden-Fotografie-Tutorials angekommen. Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr seid auch bei den folgenden Teilen des Tutorials dabei. Um auf dem Laufenden zu bleiben, könnt entweder regelmäßig auf schmaidt.de vorbeischauen oder ihr folgt mir einfach bei facebook oder Twitter.

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